Fachdossier Naturheilkunde

PHYLAK-Spagyrik nach Dr. Zimpel: Herstellung, Einordnung und Beratungspraxis

Spagyrische Essenzen nach Dr. Carl Friedrich Zimpel werden nach Vorschrift 25 des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) hergestellt und gehören zu den Spezialgebieten der pharmazeutischen Naturheilkunde. Dieses Dossier erklärt, wie die Essenzen entstehen, wie sie arzneimittelrechtlich eingeordnet werden und worauf Sie im Beratungsgespräch achten sollten.

PHYLAK Spagyrik Herstellung nach Dr. Zimpel: Drei Braunglas-Pipettenflaschen, Porzellanmörser mit frischen Johanniskraut- und Arnikablüten sowie Destillationsapparatur in der Apotheken-Rezeptur
Abb. 1: Traditionelle spagyrische Rezepturarbeit nach HAB Vorschrift 25 (Verfahren nach Dr. Zimpel): Aufschluss frischer Arzneipflanzen, Wasserdampfdestillation und Vereinigung in Braunglas-Essenzen.

Grundlagen

Lesezeit etwa 9 Minuten. Stand: November 2026

Spagyrik: Begriff, Herkunft und pharmazeutische Einordnung

Der Begriff Spagyrik setzt sich aus zwei griechischen Wortstämmen zusammen: spao bedeutet trennen oder herausziehen, ageiro steht für vereinigen oder zusammenführen. Diese beiden Schritte beschreiben das Verfahren recht genau. Eine Heilpflanze wird zunächst in ihre Bestandteile zerlegt, anschließend werden die gewonnenen Fraktionen wieder zu einer einzigen Essenz zusammengeführt. Die Methode geht auf alchemistische Vorstellungen der frühen Neuzeit zurück und wurde im 19. Jahrhundert durch den Arzt Dr. Carl Friedrich Zimpel zu einem reproduzierbaren Herstellungsverfahren weiterentwickelt. Die PHYLAK Sachsen GmbH stellt Essenzen nach diesem Verfahren her und hat das Beratungskonzept, unter anderem durch die Arbeit von Dr. Gopalsamy Naidu, um eine systematische Zuordnung der Pflanzen zu Beschwerdebildern erweitert.

Spagyrische Rezepturen gehören in naturheilkundlich ausgerichteten Apotheken und Praxen zu den erklärungsbedürftigen Arzneimitteln. Dieses Dossier fasst das pharmazeutische und galenische Hintergrundwissen dazu zusammen. Herstellung, rechtlicher Status und Studienlage stehen in getrennten Abschnitten, damit Sie beurteilen können, was belegt ist und was auf Erfahrung beruht.

Herstellungsvorschrift
HAB Vorschrift 25 (Spagyrik nach Zimpel), verwandt mit Vorschrift 26
Alkoholgehalt der Essenzen
Etwa 21 bis 24 Volumenprozent Ethanol
Arzneimittelrechtlicher Status
Registrierung nach § 38 AMG ohne therapeutische Indikation

Die drei Herstellungsschritte nach Zimpel

Das Homöopathische Arzneibuch (HAB) beschreibt die spagyrische Herstellung in der Vorschrift 25. Sie legt fest, welche Schritte in welcher Reihenfolge erfolgen müssen und welche Prüfungen das Endprodukt bestehen muss. Das Verfahren unterscheidet sich grundlegend von einer einfachen Tinkturherstellung, bei der Pflanzenmaterial lediglich in Alkohol ausgezogen wird.

Schritt 1: Gärung

Frische oder getrocknete Heilpflanzen werden zerkleinert und mit Wasser sowie Hefe angesetzt. Über mehrere Wochen vergärt dieser Ansatz bei kontrollierter Temperatur. Die Hefe verstoffwechselt pflanzeneigene Zucker zu Ethanol und Kohlendioxid. Dabei werden die Pflanzenzellen aufgeschlossen, sodass Inhaltsstoffe freigesetzt werden, die ein reiner Alkoholauszug nur unvollständig erfassen würde. Der entstehende Gärungsalkohol stammt vollständig aus dem Pflanzenansatz selbst. Zugesetzter Ethanol kommt in diesem Stadium nicht zum Einsatz.

Schritt 2: Wasserdampfdestillation

Der vergorene Ansatz wird anschließend einer Wasserdampfdestillation unterzogen. Dabei gehen die flüchtigen Bestandteile in die Dampfphase über: ätherische Öle, Ester, Aldehyde und der während der Gärung gebildete Alkohol. Das aufgefangene Destillat enthält somit die leicht flüchtigen Aromastoffe der Pflanze in konzentrierter Form. Zurück bleibt der feste Pflanzenkuchen, der im klassischen Tinkturverfahren als Rückstand verworfen würde. In der Spagyrik dient er als Ausgangsmaterial für den dritten Schritt.

Schritt 3: Veraschung und Wiedervereinigung

Der Pflanzenkuchen wird getrocknet und bei etwa 400 Grad Celsius verascht. Diese Kalzination zerstört organische Strukturen vollständig. Übrig bleibt eine mineralische Asche, die wasserlösliche Mineralstoffe und Spurenelemente wie Kalium, Calcium, Magnesium oder Silicium enthält. Die Asche wird mit dem Destillat ausgelaugt, wodurch die Mineralsalze in Lösung gehen. Nach einer Ruhezeit wird die Flüssigkeit schonend filtriert. Das Ergebnis ist eine Essenz, in der flüchtige, alkoholische und mineralische Fraktionen derselben Pflanze wieder vereint sind. Genau dieses Zusammenführen nach dem Trennen gibt dem Verfahren seinen Namen.

Der Herstellungsweg erklärt das Inhaltsstoffprofil und den Alkoholgehalt der Essenzen. Wer ihn kennt, versteht auch, warum spagyrische Essenzen weder mit Urtinkturen noch mit homöopathischen Potenzen gleichzusetzen sind.

Zubereitungsformen im Vergleich

Die folgende Tabelle stellt spagyrische Einzelessenzen, individuelle Apothekenmischungen sowie die beiden klassischen Verfahren Phytotherapie und Homöopathie gegenüber. Die Unterschiede betreffen vor allem das Ausgangsmaterial, den Herstellungsweg und die Zusammensetzung des fertigen Präparats.

Die Tabelle lässt sich bei Bedarf seitlich scrollen.

Vergleich spagyrischer, phytotherapeutischer und homöopathischer Zubereitungsformen
ZubereitungsformAusgangsmaterial und HerstellungInhaltsstoff-ProfilPharmazeutische Besonderheit
Spagyrische Einzelessenz (nach Zimpel / PHYLAK)Frische oder getrocknete Pflanze. Gärung mit Hefe, Wasserdampfdestillation, Veraschung bei etwa 400 Grad Celsius, Wiedervereinigung nach HAB Vorschrift 25Ätherische Öle und Ester aus dem Destillat, Mineralstoffe aus der Asche, Ethanol etwa 21 bis 24 Vol.-%Registriertes Arzneimittel ohne Indikationsangabe. Bezeichnung mit lateinischem Pflanzennamen und Zusatz „spag. Zimpel“
Individuelle spagyrische Apothekenmischung (Tropfen oder Mundspray)Mehrere registrierte Einzelessenzen werden in der Apotheke nach ärztlicher oder heilpraktischer Verordnung oder nach Beratung in definierten Anteilen gemischtSumme der enthaltenen Einzelessenzen, Alkoholgehalt bleibt im Bereich der AusgangsessenzenRezepturarzneimittel nach ABDA-Leitlinie. Dokumentation, Plausibilitätsprüfung und Kennzeichnung durch die Apotheke
Klassische Phytotherapie (Urtinktur / Fluidextrakt)Frische oder getrocknete Droge wird mit Ethanol-Wasser-Gemisch mazeriert oder perkoliert. Keine Gärung, keine VeraschungAlkohollösliche Sekundärstoffe wie Flavonoide, Gerbstoffe, Alkaloide. Ethanol je nach Monographie 30 bis 70 Vol.-%Standardisierung auf Leitsubstanzen möglich. Bei Zulassung sind Indikationen und Dosierungen belegt
Klassische Homöopathie (potenzierte Einzelmittel nach Hahnemann)Urtinktur oder Verreibung wird stufenweise verdünnt und verschüttelt (D-, C- oder LM-Potenzen)Ab etwa D23 rechnerisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr nachweisbar. Trägerstoff Ethanol, Wasser oder MilchzuckerRegistrierung nach § 38 AMG. Arzneimittelbild und Ähnlichkeitsprinzip statt Dosis-Wirkungs-Beziehung

Ein wichtiger Punkt aus der Tabelle: Spagyrische Essenzen werden in der Regel nicht potenziert. Sie enthalten messbare Mengen an Pflanzeninhaltsstoffen und Mineralsalzen. Damit stehen sie dem Prinzip nach der Phytotherapie näher als der Homöopathie, auch wenn sie rechtlich über das Homöopathische Arzneibuch geregelt sind.

Bekannte spagyrische Leitpflanzen

Im PHYLAK-Sortiment finden sich mehrere hundert Einzelessenzen. Einige Stammpflanzen tauchten in der Beratungspraxis besonders häufig auf. Die folgende Übersicht beschreibt ihre botanischen Eigenschaften und ihre traditionelle Verwendung, ohne daraus eine belegte Wirksamkeit abzuleiten.

  • Arnica montana, die Bergarnika, ist ein Korbblütler der Gebirgswiesen Mitteleuropas. Verwendet werden die Blütenköpfe, die Sesquiterpenlactone wie Helenalin sowie Flavonoide enthalten. In der Phytotherapie gilt die Pflanze als klassisches Mittel zur äußeren Anwendung bei stumpfen Verletzungen.
  • Cardiospermum halicacabum, die Ballonrebe, stammt aus den Tropen und gehört zu den Seifenbaumgewächsen. Das blühende Kraut wird in der Naturheilkunde traditionell bei Hauterscheinungen eingesetzt. Die Pflanze enthält Saponine und Phytosterole.
  • Eleutherococcus senticosus, die Taigawurzel, ist ein Strauch aus dem sibirisch-ostasiatischen Raum. Die Wurzel enthält Eleutheroside und wird in der Phytotherapie den sogenannten Adaptogenen zugerechnet. Für Trockenextrakte liegt eine Monographie der Kommission E vor.
  • Hypericum perforatum, das Echte Johanniskraut, wächst an Wegrändern und auf Magerwiesen. Das blühende Kraut enthält Hypericin und Hyperforin. Zugelassene Johanniskraut-Fertigarzneimittel sind bei leichten depressiven Verstimmungen untersucht, für spagyrische Essenzen gilt diese Datenlage nicht.
  • Okoubaka aubrevillei ist ein westafrikanischer Baum aus der Familie der Sandelholzgewächse. Verwendet wird die Rinde. Die Pflanze ist in Europa fast ausschließlich über homöopathische und spagyrische Zubereitungen bekannt.
  • Propolis ist das Kittharz der Honigbienen, also keine Pflanze im engeren Sinn. Es besteht aus Baumharzen, Wachs und Pollen und enthält Flavonoide sowie Phenolsäuren. Spagyrische Propolis-Essenzen werden nach einem angepassten Verfahren hergestellt.
  • Thuja occidentalis, der Abendländische Lebensbaum, ist ein Zypressengewächs aus Nordamerika. Die Zweigspitzen enthalten das ätherische Öl Thujon, das in hoher Dosis toxisch wirkt. Die Dosierung spagyrischer Thuja-Essenzen orientiert sich deshalb an den Vorgaben des Herstellers.
  • Tropaeolum majus, die Große Kapuzinerkresse, ist eine Kletterpflanze aus Südamerika. Kraut und Samen enthalten Glucosinolate, aus denen Senföle entstehen. Zugelassene Kombinationspräparate mit Kapuzinerkresse und Meerrettich sind phytotherapeutisch untersucht.

Aus diesen Stammpflanzen werden die in der naturheilkundlichen Praxis am häufigsten eingesetzten Einzelessenzen hergestellt. Die botanischen Angaben zeigen, welche Stoffgruppen in einer Essenz zu erwarten sind. Eine klinische Wirkung belegen sie nicht.

Arzneimittelrechtliche Einordnung und Evidenz

Spagyrische Essenzen nach Zimpel sind in Deutschland als Arzneimittel registriert, nicht zugelassen. Dieser Unterschied ist für die Bewertung entscheidend. Die Registrierung nach § 38 Arzneimittelgesetz (AMG) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestätigt, dass das Präparat nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt wird, die pharmazeutische Qualität stimmt und keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken bei bestimmungsgemäßem Gebrauch vorliegen. Eine therapeutische Indikation darf auf der Packung nicht angegeben werden. Deshalb steht dort lediglich der Pflanzenname mit dem Zusatz „spag. Zimpel“ und der Hinweis auf registrierte homöopathische Arzneimittel ohne Angabe einer therapeutischen Indikation.

Eine Zulassung nach § 21 AMG setzt dagegen kontrollierte klinische Studien voraus, die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit für ein konkretes Anwendungsgebiet belegen. Solche Studien liegen für spagyrische Essenzen nach aktuellem Kenntnisstand nicht in einem Umfang vor, der eine Zulassung tragen würde. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und das Gesundheitsportal des Bundes weisen darauf hin, dass für homöopathische und verwandte Verfahren keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit nachgewiesen ist.

Erfahrungsberichte aus der Naturheilkunde müssen deshalb von Studienergebnissen getrennt betrachtet werden. Ein Erfahrungsbericht beschreibt, was eine Person nach der Einnahme beobachtet hat. Er kann den natürlichen Verlauf einer Beschwerde, Erwartungseffekte oder gleichzeitig eingesetzte Maßnahmen nicht von einer Arzneimittelwirkung trennen. Kontrollierte Studien arbeiten mit Vergleichsgruppen, Verblindung und statistischer Auswertung, um genau diese Einflüsse auszuschließen. Beides hat seinen Platz in der Beratung, aber nur Studien begründen eine Aussage über Wirksamkeit. Dieser Hinweis gilt für alle naturheilkundlichen Themen auf diesem Portal.

Praxis-Checkliste für das Beratungsgespräch

Wenn Sie spagyrische Essenzen in einer Apotheke beziehen oder eine Mischung anfertigen lassen möchten, sollten im Gespräch folgende Punkte geklärt werden.

  • Der Alkoholgehalt der Essenzen liegt bei etwa 21 bis 24 Volumenprozent. Bei einer üblichen Dosierung von 20 bis 30 Tropfen entspricht das nur wenigen Millilitern, dennoch ist der Gehalt für Menschen mit Alkoholabhängigkeit, Lebererkrankungen oder Epilepsie relevant.
  • Die Einnahme erfolgt über die Mundschleimhaut. Tropfen werden einige Sekunden im Mund behalten, Sprühstöße direkt in die Mundhöhle abgegeben. Bei alkoholfreien Wünschen bietet sich das Verdünnen in warmem Wasser an, wobei ein Teil des Alkohols verdampft.
  • Für Kinder unter zwölf Jahren, Schwangere und Stillende gibt es keine systematischen Daten. Hersteller empfehlen in diesen Fällen eine ärztliche Rücksprache. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Alkoholgehalt ein eigenständiges Argument gegen die Anwendung.
  • Wechselwirkungen betreffen vor allem Pflanzen mit bekannten pharmakologischen Eigenschaften. Johanniskraut kann über das Enzym CYP3A4 den Abbau anderer Arzneistoffe beschleunigen. Auch wenn spagyrische Essenzen deutlich geringer dosiert sind als Fertigextrakte, sollte eine bestehende Medikation vollständig angegeben werden.
  • Bei individuellen Mischungen gehört die Dokumentation der Rezeptur zur Beratung. Fragen Sie nach der Zusammensetzung, der Anzahl der Einzelessenzen und der empfohlenen Anwendungsdauer.
  • Spagyrische Essenzen ersetzen keine ärztliche Diagnostik. Halten Beschwerden länger als zwei Wochen an oder verschlimmern sie sich, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt.

Kurz-Steckbrief für das Gespräch

Diese Punkte sollten Sie in Apotheke oder Arztpraxis ansprechen:

  • Welche Einzelessenzen enthält die Mischung und in welchem Verhältnis?
  • Welche Medikamente nehme ich derzeit regelmäßig ein?
  • Liegt eine Lebererkrankung, Alkoholabhängigkeit oder Schwangerschaft vor?
  • Wie lange soll die Anwendung dauern und wann ist eine ärztliche Abklärung nötig?
  • Wie wird die Essenz gelagert und wie lange ist sie nach Anbruch haltbar?

Häufige Fragen zur PHYLAK-Spagyrik

Worin unterscheidet sich Spagyrik von Homöopathie?

Beide Verfahren sind im Homöopathischen Arzneibuch geregelt und unterliegen derselben Registrierungspflicht. Der Herstellungsweg ist jedoch grundverschieden. Homöopathische Mittel entstehen durch stufenweise Verdünnung und Verschüttelung einer Ausgangssubstanz. Bei hohen Potenzen ist rechnerisch kein Molekül der Ursprungssubstanz mehr enthalten. Spagyrische Essenzen nach Zimpel werden durch Gärung, Destillation und Veraschung gewonnen und enthalten messbare Mengen an ätherischen Ölen, Gärungsprodukten und Mineralsalzen. Sie werden in der Regel nicht potenziert. Auch das Auswahlprinzip unterscheidet sich: Die Homöopathie arbeitet mit dem Ähnlichkeitsprinzip nach Hahnemann, die Spagyrik orientiert sich stärker an der traditionellen Pflanzenkunde.

Was bedeutet die Registrierung beim BfArM konkret?

Die Registrierung nach § 38 AMG bestätigt, dass ein Präparat nach den Vorschriften des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt wird, die pharmazeutische Qualität geprüft ist und bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Hinweise auf Gesundheitsrisiken vorliegen. Sie bestätigt keine Wirksamkeit für ein bestimmtes Anwendungsgebiet. Deshalb darf auf registrierten Essenzen keine Indikation stehen. Eine Zulassung mit Wirksamkeitsnachweis durch klinische Studien ist ein anderes Verfahren nach § 21 AMG. Für die Beratung heißt das: Die Registrierung ist ein Qualitäts- und Sicherheitsnachweis, kein Wirksamkeitsnachweis.

Ist der Alkoholgehalt für Kinder oder bei Lebererkrankungen ein Problem?

Spagyrische Essenzen enthalten etwa 21 bis 24 Volumenprozent Ethanol. Bei 20 Tropfen entspricht das etwa 0,2 Milliliter reinem Alkohol, eine Menge, die bei gesunden Erwachsenen unbedenklich ist. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird von der Anwendung abgeraten, da der Alkoholstoffwechsel noch nicht ausgereift ist. Menschen mit Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder unter Therapie mit Medikamenten, die Alkohol ausschließen (etwa Metronidazol oder Disulfiram), sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Das Verdünnen in heißem Wasser reduziert den Alkoholgehalt, beseitigt ihn aber nicht vollständig.

Wie werden individuelle Mischungen in der Apotheke hergestellt?

Individuelle spagyrische Mischungen sind Rezepturarzneimittel. Ihre Herstellung folgt der ABDA-Leitlinie zur Herstellung und Prüfung nicht steriler Rezeptur- und Defekturarzneimittel. Die Apotheke prüft zunächst die Plausibilität der Rezeptur: Anzahl der Essenzen, Mengenverhältnisse, Dosierung und mögliche Unverträglichkeiten. Anschließend werden die registrierten Einzelessenzen unter dokumentierten Bedingungen abgemessen, gemischt und in Tropfflaschen oder Sprühflaschen abgefüllt. Die Kennzeichnung enthält Zusammensetzung, Herstellungsdatum, Haltbarkeit und Dosierungsanleitung. Jede Herstellung wird im Herstellungsprotokoll festgehalten. Erst diese Dokumentation macht die pharmazeutische Qualität einer spagyrischen Rezepturmischung nachprüfbar.

Wie lange sind spagyrische Essenzen haltbar und wie lagere ich sie?

Ungeöffnete Einzelessenzen des Herstellers tragen ein Verfallsdatum, das in der Regel mehrere Jahre nach Herstellung liegt. Der Alkoholgehalt wirkt dabei konservierend. Nach Anbruch empfiehlt sich der Verbrauch innerhalb von etwa zwölf Monaten, sofern der Hersteller nichts anderes angibt. Individuelle Mischungen aus der Apotheke erhalten eine kürzere Aufbrauchfrist, meist sechs Monate, weil durch das Mischen und Umfüllen zusätzliche Einflüsse entstehen. Die Lagerung sollte bei Raumtemperatur, lichtgeschützt und fest verschlossen erfolgen. Ein leichter Bodensatz aus Mineralsalzen ist bei spagyrischen Essenzen verfahrensbedingt möglich und kein Qualitätsmangel. Vor Gebrauch wird die Flasche kurz geschüttelt.

Darf ich spagyrische Essenzen mit schulmedizinischen Medikamenten kombinieren?

In den meisten Fällen ist eine Kombination möglich, sie sollte aber immer offen angesprochen werden. Relevante Wechselwirkungen sind bei den geringen Dosierungen selten, lassen sich jedoch für einzelne Pflanzen nicht ausschließen. Johanniskraut kann Enzyme der Leber beeinflussen und den Spiegel von Immunsuppressiva, Gerinnungshemmern oder hormonellen Verhütungsmitteln senken. Thuja enthält Thujon, dessen Aufnahme bei Epilepsie vermieden werden sollte. Entscheidend ist, dass spagyrische Essenzen verordnete Arzneimittel niemals ersetzen. Setzen Sie keine ärztlich verordnete Therapie ab, um auf ein naturheilkundliches Präparat umzustellen, ohne dies mit der behandelnden Praxis zu besprechen.

Quellenverzeichnis und fachliche Grundlagen

  1. PHYLAK Sachsen GmbH: Fachinformationen zur Herstellung spagyrischer Essenzen nach Dr. Zimpel und Übersicht des Essenzensortiments. Unternehmenspublikation, Weinböhla.
  2. Homöopathisches Arzneibuch (HAB), Vorschrift 25: Spagyrische Zubereitungen nach Zimpel. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, aktuelle Ausgabe.
  3. Homöopathisches Arzneibuch (HAB), Vorschrift 26: Spagyrische Zubereitungen, ergänzende Herstellungsvorschrift. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, aktuelle Ausgabe.
  4. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographien „Homöopathische Zubereitungen“ und „Urtinkturen für homöopathische Zubereitungen“. EDQM, Straßburg, aktuelle Ausgabe.
  5. Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA): Leitlinie „Herstellung und Prüfung der nicht sterilen Rezeptur- und Defekturarzneimittel“ mit Kommentar. Berlin, aktuelle Fassung.
  6. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationen zur Registrierung homöopathischer Arzneimittel nach § 38 AMG und zur Abgrenzung von der Zulassung nach § 21 AMG. Bonn.
  7. Arzneimittelgesetz (AMG), §§ 21, 38 und 39: Zulassungspflicht, Registrierung homöopathischer Arzneimittel und Entscheidung über die Registrierung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de.
  8. Bundesministerium für Gesundheit, Nationales Gesundheitsportal gesund.bund.de: Informationen zu Homöopathie und komplementären Verfahren sowie zur Bewertung von Wirksamkeitsnachweisen.
  9. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de: Wie lässt sich die Wirksamkeit einer Behandlung beurteilen? Grundlagen zu klinischen Studien, Placeboeffekt und Erfahrungsberichten. Köln.